Bürgerversammlung der Gemeinde Reuth bei Erbendorf

Bürger interessieren sich für ihre Gemeinde. - Einwohnerzahl weiter leicht rückläufig. - Staatliche Finanzhilfe erlaubt Handlungsspielraum.Bei der Bürgerversammlung im TSV-Sportheim verfolgten die zahlreich erschienenen Zuhörer mit großem Interesse die umfangreichen Ausführungen ihres Bürgermeisters. Bild: ang
Reuth bei Erbendorf. (ang) Jede Menge statistische Zahlen, Daten und interessante Fakten zu verschiedenen Sachthemen legte Bürgermeister Werner Prucker bei der gutbesuchten Bürgerversammlung im TSV-Sportheim vor. In Anwesenheit des kompletten Gemeinderates freute er sich, dass er unter seinen, am Gemeindegeschehen interessierten Bürgern auch seine Amtsvorgänger Josef Knott und Josef Zölch begrüßen durfte. Prucker begann sein Resümee auf das zurückliegende Jahr und der Ausschau auf das laufende Jahr mit dem umfangreichen Zahlenwerk, zum besseren Verständnis war das gesamte Material zusätzlich optisch bebildert. Die Einwohnerzahl verringerte sich mit Stand vom 30. Juni um 14 Bürger auf 1 135, erfreulich der Umstand, dass sich trotzdem bei einem Gesamtschuldenstand von etwa 760 000 Euro (Vorjahr: 886 179 Euro) die Pro-Kopf-Verschuldung zum Jahresende auf 668,88 Euro (Vorjahr: 771,26 Euro) verringern lasse.

Eingedenk der Tatsache, dass diesbezüglich im Jahre 2013 noch satte 1567,30 Euro zu Buche standen, spielt die in den letzten Jahren gewährte Stabilisierungshilfe der Gemeinde sehr positiv in die Karten, bekräftigte der Bürgermeister. Auch heuer darf man wieder mit einer beträchtlichen staatlichen Finanzspritze planen, die neben dem Schuldenabbau natürlich einen wesentlich breiteren Handlungsspielraum erlaube. Die 450 000 Euro an Zuwendung laufen nicht mehr unter dem Begriff "Stabilisierungshilfe", sondern sind als "Investitionszulage" ausgewiesen.

Der laufende Haushalt ist in Einnahmen und Ausgaben mit einem Gesamtvolumen in Höhe von knapp drei Millionen Euro angesetzt (Vorjahr: 2,8 Millionen Euro), Prucker erläuterte dazu den Anwesenden die wichtigsten Einzelpositionen. Die einzelnen Werte, sowie der gesamte Bericht des Bürgermeisters sind auf der Gemeindeseite im Internet einsehbar. Die Sachthemen betreffend meinte Prucker, dass nach eingehenden Beratungen, Diskussionen und amtlichen Prüfungen die geplante Photovoltaikanlage bei Rechenlohe realisiert werden könnte. Für das private Vorhaben läuft derzeit noch die Auslegung des Bebauungsplanes. Nachdem im Vorfeld einige Wünsche des Trägers aus diversen Gründen abgelehnt wurden, scheint es mit Plan B für den Investor "Geen City" nun zu klappen. Zu den Straßenerhaltungsmaßnahmen sagte er, dass 3 500 Meter Risse saniert und etliche kleinere Asphaltierungsarbeiten durchgeführt wurden. Der im letzten Winter bis einschließlich März begonnene Gehölze-Rückschnitt werde in diesen Wochen weitergeführt. Die von Erwin Otte gestaltete Urnengrabanlage auf dem Premenreuther Friedhof wurde kürzlich ihrer Bestimmung übergeben (wir berichteten).

 "Ein Glasscherbenviertel wurde beseitigt", umschrieb der Bürgermeister die Fertigstellung der Park&Ride Anlage am Bahnhof, zudem habe die Bahn mit der Inbetriebnahme der Aufzüge das Ihre getan, um den Haltepunkt Reuth Attraktivität zu verleihen. Die Gesamtkosten der durch Mittel aus dem Städtebau, dem Personennahverkehr und dem Landkreis geförderte Maßnahme betrugen 660 000 Euro. Die 22 PKW-Parkplätze, fünf Sonderparkplätze, die Unterstellmöglichkeit für 14 Fahrräder und die Bushaltestelle mit Wartehäuschen werden auf der behindertengerechten Anlage zum Teil bereits rege genutzt, fügte er an. In Auftrag gegeben ist derzeit die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur künftigen, attraktiven Nutzung des Bahnhofgebäudes. Zur Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Marktredwitz und Regensburg konnte er nicht viel Neues sagen, dass sie kommt sei sicher wie das Amen in der Kirche, aber nach Einschätzung von Experten dürfte sich der Abschluss bis in die späten 2030-er Jahre hinziehen. In Sachen Hochspannungsgleichstromtrasse sei zwar noch keine endgültige Entscheidung getroffen, doch scheint der im östlichen Landkreis verlaufende Wunschkorridor von Tennet zu kommen. Sicher sei jedenfalls, dass die Leitung mittels Erdverkabelung realisiert wird.

Die Umstellung der 190 Straßenlaternen auf LED-Technik kostete die Gemeinde zwar 9 565 Euro, nach Pruckers Worten werden die Stromeinsparungen diese Kosten schon in etwa dreieinhalb Jahren amortisiert haben. Zur aktuellen Situation bei den gemeindlichen Baugrundstücken berichtete er, dass in Reuth von 15 Parzellen zehn verkauft seien, in Premenreuth noch zwei zu haben sind und in Letten eines angekauft aber bereits wieder veräußert sei. Nach der Durchleuchtung der im Reuther Gemeindebereich insgesamt aktiven 11 646 Meter Kanalstränge und der 353 Schächte sei nun der neue Kanalkataster fertiggestellt. Aktuell erarbeitet das Planungsbüro Münchmeier und Eigner ein Sanierungskonzept, welches sich über mehrere Jahre verteilen wird. Die Kläranlagenaufrüstung sei so gut wie abgeschlossen, die Kosten liegen nur knapp über der Kalkulation, erwähnte der Bürgermeister. Die Bürger können für die Schlussrate etwa die Höhe der beiden ersten Zahlungen einplanen, der Bescheid für die Schlussrechnung wird wahrscheinlich erst im zweiten Quartal 2020 zugestellt werden, weil vorher die Beitrags- und Gebührensatzung neu kalkuliert werden müsse.

Weitere Themen waren der Abriss des ehemaligen Köstleranwesens mit der Neugestaltung des Grundstücks, die Überarbeitung der Heizungsanlage im Mehrzweckgebäude, die durch 50-prozentige Beteiligung der Siedler ermöglichte Errichtung einer Spielplatzseilbahn in Premenreuth und das umfangreiche Ferienprogramm. Zum Abschluss der Bürgerversammlung hatte Werner Prucker für die überraschten Zuhörer noch einen kleinen Knalleffekt bereit. Franz und Zita Bauer wollen bis Ende kommenden Jahres ihren Metzgerei- und Gaststättenbetrieb aufgeben. Es zeichnet sich aber eine für die Gemeinde recht interessante Lösung ab, Näheres wird sich aber erst im Verlaufe der nächsten Wochen ergeben meinte der Bürgermeister, der abschließend allen Leuten, Vereinen und Institutionen dankte, die im Jahresverlauf ihren Beitrag zu einem funktionierenden Gemeindeleben leisteten.